In unserem Kulturkreis, so meine Erfahrung, möchte man wissen, was auf einen zukommt. Das gilt auch für Projekte, daher betreiben wir einen großen Aufwand in der Untersuchung von Projektrisiken und wollen Risiken richtig einschätzen. Im angelsächsischen Raum ist man entspannter. Dort wartet der Projektleiter auf den Risikoeintritt und kümmert sich erst dann.

Was besser ist? Keine Ahnung 🙂

Ich stelle Ihnen heute ein Vorgehensmodell für die Risikobearbeitung vor, dass im klassischen (sequentiellen) Projektmanagement vorkommt. Im agilen Umfeld werden Risiken auf Grund der kurzen Iterationen weniger Beachtung geschenkt. In einem späteren Post werde ich dazu etwas schreiben.

Risiken erkennen

Die Bearbeitung von Risiken beginnt mit dem Erkennen und vor allem mit dem Anerkennen, dass es Risiken überhaupt gibt.

Wir können Risiken aus historischen Daten, aus technischen Anforderungen oder auch aus dem Stakeholdermanagement ableiten. Grundsatz: lieber ein Risiko mehr nennen und später wieder rausschmeißen (d.h. bewerten) als eines zu übersehen.

Risiken bewerten

Risiken werden nach ihrem Schadenswert (Schadenshöhe, Tragweite) und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Je höher beides ist, desto erheblicher wirkt sich das Risiko auf das Projekt auswirken.

Zur Bewertung reicht oftmals eine qualitative Einordnung (s. Abbildung) aus. Möchten Sie die Bewertung quantitativ erheben wird es aufwändiger, aber auch genauer. Welche Art zu nutzen ist, sollten Sie mit Ihrem Projektbeauftrager und anderen Stakeholdern klären.

Das am weitesten verbreitete Werkzeug für die grafische Darstellung des Ergebnisses ist das Risikoportolio.

Risikoportfolio
qualitatives Risikoportfolio

Maßnahmen entwickeln

Haben wir die Risiken in das Portfolio eingetragen, muss als nächstes überlegt werden, wie wir die Risiken eindämmen oder womöglich verhindern, aber auch, ob wir ein Risiko tolerieren können.

Für diese Überlegungen nutzen wir die Risikostrategien:

  • vermeiden
    Das Risiko hat sowohl eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit als auch einen hohen Schadenswert. Der Eintritt des Risikos ist so gefährlich für das Projekt, dass der Eintritt unbedingt vermieden werden muss.
  • vermindern
    Das Risiko wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten, der Schaden wird gering sein. Vermindern Sie die Eintrittswahrscheinlichkeit.
  • übertragen
    Es ist sinnvoll ein Risiko z.B. mittels einer Versicherung auf Dritte zu übertragen, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit gering, aber der Schaden immens hoch ist.
  • akzeptieren
    Und es gibt Risiken, die so gering in unser Projekt eingreifen, dass wir es bewältigen können, wenn es kommt. Daher akzeptieren wir das Risiko und machen keine Vorsorgemaßnahmen.
Risikoportfolio mit Strategien
Risikoportfolio mit Strategien

In unterschiedlichen Projektmanagementsystemen finden Sie auch andere Namen für die gleichen Strategien.

Maßnahmen durchführen

Da Sie jetzt wissen, welche die richtige Strategie ist, um das Risiko in seine Schranken zu weisen, benötigen Sie “nur” noch die richtige Maßnahme und deren Umsetzung.

Es zeigt sich, dass bei einer guten Durcharbeit des Prozesses die Maßnahme, die am Sinnvollsten ist, sich aufdrängt.