Agilität im Changeprozess: Appreciative Inquiry

Agilität oder deren passende Aspekte einzuführen, ist eine topaktuelle und zentrale Herausforderungen für viele Unternehmen. Ich möchte Ihnen heute den Agilen Prozess „Appreciative lnquiry” (AI) als eine interessante Unterstützung vorstellen. AI bindet die Betroffenen de Veränderung in positiver Weise in den Change-Prozess ein. Durch die Nutzung einer Agilen Vorgehensweise, die die Agilen Werte und das Mindset bereits beinhaltet, werden wesentliche Grundaspekte von Agilität bereits im Change-Prozess erlebt. Das Befördert die spätere Nutzung und Umsetzung von Agilität.

Junge Pflänzchen
Junge Pflänzchen; Bild von Daniel Dan outsideclick auf Pixabay

 

Konventioneller Ansatz vs. AI-Ansatz

Appreciative Inquiry ist ein werteorientierter Ansatz aus der Team- und Organisationsentwicklung, der eine wertschätzende und positive Grundhaltung in Teams, Organisationen oder Gemeinwesen fördert, in der die wertschätzende Befragung (oder Erkundung) ein zentrales Element bildet. Es wurde in den 1980er Jahren von David Cooperrider von der Case Western Reserve University in den USA entwickelt.

Die Grundidee ist einfach: Menschen und Systeme bewegen sich in die Richtung, in die sie schauen; und die Fragen, die wir stellen, entscheiden darüber, was wir finden. AI konzentriert sich daher auf die Stärken, das Positive, das Potenzial eines unternehmerischen Systems und stellt nicht die negativen Punkte in den Vordergrund. Im Gegensatz zu traditionellen Ansätzen werden beim AI Probleme nicht direkt bearbeitet, sondern in Änderungswünsche umformuliert.

Die Tabelle zeigt die Unterschiede zur herkömmlichen Herangehensweise:

Konventioneller Ansatz
(Probleme lösen)
AI-Ansatz
(vorhandene Potentiale erkennen)
Grundlage:
Unternehmen haben Mängel, die zu beseitigen sind
Grundlage: Unternehmen haben (ungeahntes) Potenzial, das nur manchmal sichtbar ist
Probleme identifizieren erkunden und verstehen, was an Gutem vorhanden ist
Ursachen analysieren entwerfen, was im besten Fall sein kann
Lösungen erarbeiten vereinbaren und gestalten dieser Zukunft
Maßnahmen planen die Zukunft planen

Prozess

Der klassische AI-Prozess besteht aus den vier Phasen

  • Discovery – erkunden und verstehen, was an Gutem vorhanden ist
  • Dream – entwerfen, was im besten Fall in der Zukunft sein kann
  • Design – vereinbaren und gestalten dieser Zukunft
  • Destiny – die Zukunft planen

Mit einer Nachbereitungsphase kann der Ablauf abgerundet werden.

AI-Prozesse können in unterschiedlicher Form, auch in Kombination davon, eingesetzt werden:

  • als flächendeckender Prozess
  • als Bestandteil eines Teamentwicklungs-Workshops
  • als Bestandteil eines Veränderungsprojektes bei einem „AI-Summit“.

Discovery

Der Ausgangspunkt für die Ermittlung von Stärken und Qualitäten des Unternehmens sind die Wertschätzenden Interviews (engl.: appreciative inquiry). Zwei Mitarbeiter tauschen sich intensiv über ihre eigenen Qualitäten, über die des Gesprächspartners und der Organisation aus.

In diesem Gespräch werden automatisch die Agilen Werte Offenheit und Respekt, aber auch Mut erfahren und eingeübt.

Dream

Die Phase “Dream” stellt den Dreh-.-. und Angelpunkt des AI-Prozesse dar. Denn die Teilnehmer dürfen und müssen die Zukunft ihres Unternehmens beschreiben. “Wie und was wären wir, wenn wir unsere Stärken mit den Vorteilen der Agilen Welt zusammenführen?” wird in dieser Phase beantwortet.

Daraus wird sich ein “Collective Verbal Picture” ergeben.

Durch den gemeinsamen Entwurf agieren die Teilnehmer bereits jetzt selbstorganisiert und lernen die Vorteile kennen.

Design

Die Design-Phase beschäftigt sich damit, dass “Collective Verbal Picture” in konkrete Zukunftsaussagen umzuwandeln.

Diese Aussagen stellen eine attraktive Zukunft für Unternehmen und Mitarbeiter dar und motivieren zur Weiterentwicklung.

Es werden grobe Gedanken zur Priorisierung der Aussagen und dem Aufwand gemacht, was das Denken für das Arbeiten in Iterationen befördert.

Destiny

In der letzten Phase kommen alle Gesprächsgruppen zusammen und stellen sich gegenseitig die Ergebnisse vor. Daraus wird eine gemeinsame Zukunft entwickelt.

Die Planung einzelner Zukunftsaspekte erfolgt in Interessensgruppen (engl.: groups of interests). Dort arbeiten interessierte Mitarbeiter mit und sind damit integraler Bestandteil der Veränderung.

In dieser Phase werden Agilen Werte wie Selbstorganisation, iteratives Arbeiten und Selbstverpflichtung fokussiert.

Fazit

Ich bin der Ansicht, dass durch Appreciative Inquiry die Mitarbeiter (Beteiligten) der unternehmensweiten Änderungen insb.. in die Agile Welt zum zentralen Element werden. Sie gestalten nicht nur die Zukunft, sondern setzen sie auch um – und das aus eigenem Antrieb und nicht von “oben” aufoktroyiert.

Durch die Berücksichtigung vieler Agiler Werte bereits im Change-Prozess, wird die spätere Anwendung in der Linienarbeit wie in Projekten sehr viel einfacher.