Wenn Sie von Risiko-Burndown-Chart lesen sollten und mit WAS?!? reagieren, sind Sie in diesem Post richtig.

Ich habe von diesem Chart in PRINCE2 Agile® – Handbuch auf Seite 113 gelesen. Dort steht sinngemäß:

Bei der von John Brothers entwickelten Technik wird die Wahrscheinlichkeit des Auftretens mit der Auswirkung in verlorenen Tagen multipliziert. Werden die Werte aller Risiken einer Timebox addiert, ergibt dies die gesamte Risikobelastung. Dargestellt wird in einem Risiko-Burn-Down-Chart wie diese Tage abnehmen, wenn die Risiken bearbeitet oder minimiert werden.

Meine erste Reaktion: “AHA! noch nie gehört”.

“Erfinder” John Brothers

Dr. John Brothers ist derzeit Präsident der T. Rowe Price Foundation und Präsident des Programms für wohltätige Zwecke. Brothers kommt von Quidoo Consulting. Quidoo ist ein internationales Beratungsunternehmen, das er vor über ein Jahrzehnt gegründet hat. Bei Quidoo war Brothers für das Wachstum des Unternehmens und die Zusammenarbeit mit über 400 Kunden in zwölf Ländern weltweit verantwortlich. Brothers forscht, gastredet, veröffentlicht rund um die Welt.

John Brothers President, T. Rowe Price Foundation, Bild: Liveweek Group, 11.10.2017

Klassisches Risikomanagement in Projekten

Klassische, sequenzielle Projekte verfügen über umfangreiche Prozesse zur Risikobearbeitung. Risikoregister, Wahrscheinlichkeitsberechnungen und andere Tools werden von Projektmanagern verwendet, um einen Satz von Kennzahlen bereitzustellen. Das Risiko wird entweder akzeptiert, gemindert oder vermieden. 

Die Grundidee dabei ist, dass Risiken schnell zu Problemen werden, wenn sie nicht proaktiv angegangen werden.

Risikomanagement bei Scrum

Eine häufige Fehlwahrnehmung bei der Verwendung von Scrum (evt. auch in anderen agilen Frameworks) ist es, dass Risiken keine Rsikibearbeitung erfordern. Diese Annahme ergibt sich aus der Tatsache, dass Risiken meist viel schneller erkannt werden und schnell angegangen werden können. Kurze Iterationen und die Betonung auf die Verwendung kollaborativer Techniken, bieten tatsächlich einen Mechanismus, mit dem Risiken schnell identifiziert und korrigiert werden können. 

Kleine Scrum-Projekte werden auch ohne formalisiertes Risikomanagement erfolgreich sein. Größere agile Projekte erfordern jedoch irgendeine Form des Risikomanagements. Im Jahr 2004 hat John Brothers das Problem durch die Erstellung eines Risiko-Burndown-Diagramms gelöst.

Erstellen eines Risiko-Burndown-Chart

Ein Risiko-Burndown-Chart verwendet einige traditionelle Risikomanagement-Kennzahlen, die u.a. im PMI PMBOK gefordert werden. 

  1. Eine Liste bekannter und erwarteter Risiken wird dokumentiert. 
  2. Ein Prozentsatz der Wahrscheinlichkeit wird geschätzt. 
  3. Der Schadenswert wird monetär eingeschätzt.

Der nächste Schritt in der Bewertung unterscheidet sich von herkömmlichem Vorgehen, da jedem Risiko eine voraussichtliche Anzahl von Tagen zugewiesen wird, an denen sich das Risiko negativ auf die Bereitstellung einer Anforderung auswirken würde. 

Sobald für jedes Risiko eine Kennzahl vorliegt, wird diese mit der Wahrscheinlichkeit multipliziert, um das Risiko in Tagen zu bestimmen. 

Darstellung des Risiko-Burndown-Chart

Das agile Scrum-Risikomanagement kann mithilfe eines Risiko-Burndown-Diagramms ein Bild zeigen, das den Burndown-Prozess der Anwendungen widerspiegelt. 

Scrum verwendet visuelle Darstellungen des Projektfortschritts, die beim Dailey Scrum am nützlichsten sind. Eine Darstellung des Fortschrittes bei der Risikobearbeitung erfüllt ebenfalls den Zweck.

Risk Burn Down Chart, Bild: CareersTalk, 13.12.2020

Die Risikobearbeitung sollte während der ersten Diskussion über den Product Backlog erstellt und regelmäßig aktualisiert werden, wenn neue Risiken identifiziert werden.